Gezeiten & Wassertiefen 
Die Tidenrechnung ist eine der hohen Künste der Wattfahrt. Es soll vorkommen, dass man falsch rechnet und trotzdem ankommt! Aber wer richtig rechnet und die Fahrt gut plant, kann ziemlich genau vorhersagen, wo und wann er festkommt oder eben doch noch die Flachhöhe des Wattfahrwassers überwindet.
Aktuelle Informationen über den Tidenstand und die Abweichungen unter Berücksichtigung der meteorologischen Einflüsse erhalten wir stündlich im Revierfunk (siehe Wetter), beim BSH oder ganz einfach in unserer Wattenschipper Karte.
💧 Wasserstände
In der Wattenschipper Karte sind alle BSH Wasserstandsvorhersagen direkt abrufbar. Ein Klick auf einen 🟡 orangen Punkte zeigt:
- den aktuell gemessenen Wasserstand (SKN)
- Link zur Wasserstandskurve/Vorhersagenverlauf*
*Nur bei Punkten mit dicker Kontur - Link zu den astronomischen Gezeiten am Ort für langfristige Planungen
- die nächsten HW/NW-Zeiten mit den meteorologischen Wasserstandsabweichungen
- die mittleren Werte für Hoch- und Niedrigwasser, sowie den Tidenhub
- die allgemeine BSH Wasserstandsvorhersage
- Links zu Wettervorhersagen am Standort
Bei Sturmflutwarnungen sind die entsprechenden Punkte 🔴 rot und in den Details die Sturmflutzeiten hervorgehoben.
⚓ Wassertiefen
Wassertiefen im Watt verändern sich ständig. Dies gilt vor Allem für die Seegatten, wo die Betonnung manchmal mehrfach im Jahr verlegt werden muß. Sofern die Abweichungen nicht gravierend sind, bleiben die rot-weißen Ansteuerungstonnen meistens an dem in der Seekarte verzeichneten Platz. Daher besonders gut Ausschau halten und auf das Echolot achten.
NEU: Tiefen 2026
Die aktuellen Angaben zu mittleren Hoch- & Niedrigwasser und dem Tidenhub sind ab sofort in die Wattenschipper Karte zu finden. Siehe auch Wasserstände
Die Wassertiefen bzw. Flachhöhen der Wattfahrwasser sind ab sofort im Routentitel (z. B. Juister Wfw | -1,3m) in der Routenübersicht und in der Karte angegeben.
↕️ 12er Regel
1. Stunde um 1/12
2. Stunde um 2/12
3. Stunde um 3/12
4. Stunde um 3/12
5. Stunde um 2/12
6. Stunde um 1/12
Auch ohne Internet lässt sich der Wasserstand einfach berechnen. Eine für unser Gebiet zuverlässige Methode der Tidenberechnung ist dazu die 12er Regel. Anteilig steigt bzw. fällt das Wasser in Höhe des Tidenhubs, siehe blaue Box.
Im Sommer läuft das Tag-Hochwasser höher als das Nacht-HW. Im Winter ist es umgekehrt. Wichtig zu beachten, falls man hoch trockenfällt und abends weiter will! Dann sollte man nicht bei Hochwasser bis auf den Schlick fahren.
Beispiel: Wie viel Wasser ist am Ort 4h nach NW?
3m mittl. Tiedenhub am Ort, siehe Wattenschipper Karte
4h nach NW, bekannt aus der Gezeitentafel
-1m Tiefe (Minus = Höhe) am Ort nach SKN aus der Seekarte
Wir summieren die 4 Stundenanteile, siehe blaue Box:
1 + 2 + 3 + 3 = 9
Den Tiedenhub am Ort / 12 * die summierten Stundenanteile:
3m/12 = 0,25m × 9 = 2,25m
Berechneter Wasserstand + SKN am Ort:
2,25m + (-1m) = 1,25m
💬 Kommentare
Moin Rasmus,
der Sprung von SKN (Seekartennull) zu Pegelständen ist immer sehr schwierig.
Pegelnullpunkte beziehen sich immer auf die Normalhöhe Null / Normalnull (NN). Haben also immer einen Bezug zueinander. In Deutschland ist der Pegelnullpunkt immer ungefähr 5 Meter unter Normalnull. Überall.
Küstenverläufe und geographische Position sorgen wiederum dafür, dass der Niedrigwasserstand in Bezug auf Normalnull (NN) oder Pegelnullpunkt PNP eine andere Höhe hat. Das Niedrigwasser hat also immer eine andere Höhe im Bezug auf die Position.
Deshalb arbeitet man bei Seekarten mit dem SKN (Seekartennull). SKN (Seekartennull) soll es ermöglichen, dass der Schiffsführer mit einem Blick auf der Seekarte weiß, wie flach es auf eine Position ist, wie wenig Wasser "minimal" vorhanden ist. SKN (Seekartennull) hat zueinander aber immer eine andere Höhe. Dennoch weiß man mit einem Blick auf die Seekarte, dass man dort grundsätzlich, egal ob Hoch- oder Niedrigwasser, langfahren kann oder auch nicht. Ohne Rechnen und zusätzliche Informationen. Das ist also der Vorteil von SKN.
Bekommt man nun Informationen zu Wasserständen, die sich auf einen Pegel beziehen, dann muss man leider recherieren, wie die Differenz zwischen dem Pegel und dem SKN ist.
Gut beschrieben ist das auch auf dieser Seite:
https://www.sailing-charlie.de/wissen/2023/11/28/wasserstaende-niederlande.html
An der deutschen Nordseeküste ist es ein wenig einfacher. Das BSH, Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie stellt die Pegelstände zur Verfügung auf der Seite:
https://wasserstand-nordsee.bsh.de/
Dort kann man sich den gewünschten Pegel aussuchen. Hier zum Beispiel der Pegel von Wilhelmshaven:
https://wasserstand-nordsee.bsh.de/wilhelmshaven_alter_vorhafen?niveau=nhn
Das schöne auf der Seite ist dann, dass man sich die Anzeige aussuchen kann. PNP, NN oder SKN.
Du musst also den Unterschied vom Amsterdamer Pegel zu Deinem jeweiligen Kartenstandort herausfinden.
Beispiel:
Wilhelmshavener Pegel, mittleres Niedrigwasser. Im Bezug auf PNP (Pegelnullpunkt) 3,09 Meter, in Bezug auf SKN (Seekartenullpunk) 0,78 Meter.
Die Differenz zwischen Pegel und SKN ist also bei Wilhelmshaven 2,31 Meter.
Wangerooge Langes Riff
Mittleres Niedrigwasser PNP 3,59 Meter, SKN 0,63 Meter. Die Differenz ist hier also 2,96 Meter
Gehen wir wieder von Wilhelmshaven aus. Wird ein Pegelstand von 3,30 bei Niedrigwasser vorausgesagt, musst Du davon die Differenz zwischen PNP u. SKN, also 2,31 Meter abziehen. Das wären hier dann 0,99 Meter. Das ist der Wasserstand über Deinen SKN bei Wilhelmshaven bei dem kommenden Niedrigwasser. Diese 0,99 Meter kannst Du dann auf jeder Wassertiefe in der Seekarte draufrechnen, bzw. von jedem Wattenhoch abziehen.
Auf diesen Wert kannst Du dann wieder die 12er Regel drauf rechnen.
Also Rasmus, auch diesmal hoffe ich, dass ich keine Fehler eingebaut habe und es halbwegs erklären konnte. Du musst also eine Quelle finden, wo der Amsterdamer Pegel im Bezug zum SKN gesetzt wird. Und daran denken, dass die Differenz zwischen beiden an jedem Ort anders ist. (Siehe Wangerooge / Wilhelmshaven).
Gruß Volker
Ich fahre überwiegend in niederländischen Wattengewässern. Ich komme mit dem neuen Amsterdamer Pegel NAp nicht richtig zurecht. Ich habe auch die App quick Tide, die ich sehr schätze auch wegen der aktuellen lotungen. Vielleicht können sie ein Beispiel aufmachen für ein NL Fahrwasser, mit NAP. Danke
Moin,
hier eine kleine Ergänzung.
Die 12er Regel ist schon ein sehr schönes Werkzeug. Ich bringe sie auch gerne anderen bei. Bei diesem Beibringen muss ich leider immer wieder feststellen, dass was für einen selber selbstverständlich ist, ist für den anderen noch lange nicht selbstverständlich ist.
Das fängt, man mag es kaum glauben, beim Lesen der Seekarte an. Seekartennullpunkt (SKN) ist also der astronomisch niedrigste berechnete Wasserstand. Wenn Sonne und Mond richtig stehen, kann das Wasser astronomisch nicht weiter fallen. Das ist der Bezugspunkt auf dem sich die "Tiefenangaben" in der Seekarte beziehen.
Im Nebensatz muss aber gesagt werden, dass das Wasser zum Beispiel bei ablandigen Winden/Sturm noch wesentlich weiter fallen kann.
Auf der Seekarte beziehen sich die Tiefenangaben also auf diesen Bezugspunkt Seekartennull. Bloss im Watt ist das ein wenig doof. Dem aufmerksamen Beobachter fällt beim betrachten der Seekarten auf, dass die Zahlen im grünen Bereich immer unterstrichen sind. Das Watt fällt trocken und liegt bei Niedrigwasser oberhalb vom Seekartennullpunkt (SKN). Also sind die Wattflächen im Grunde genommen Höhenangaben. Bezogen auf Seekartennull. Sagt aber keiner, weil jeder glaubt, das jeder anderer schon weiß, was gemeint ist.
Die im Beispiel genannte "Tiefe" von -1m meint also eine Wattenhöhe von 1 Meter über Seekartennull. Das Wasser muss also von Seekartennull aus gesehen erst mal einen Meter steigen, damit an dieser Stelle überhaupt Wasser steht. Und deshalb haben wir auch nach 4 Stunden nur eine Wassertiefe von 1,25 Meter, obwohl das Wasser doch 2,25 Meter gestiegen ist.
In dem Beispiel wird von einem mittleren Tidenhub ausgegangen. Das sind auch die Werte die man am schnellsten aus dem Tidenkalender herausfindet. Und zum Üben des Rechnen eignen sich die mittleren Tidenhubwerte auch am Besten.
Geht man aber von einem mittleren Tidenhub aus, sollte man sich die Werte vom mittleren Niedrigwasser anschauen.
Bei Wangerooge Ost steht das mittlere Niedrigwasser ungefähr bei 0,6 Metern. Das mittlere Niedrigwasser ist also 0,6 Meter höher als das Seekartennull. Heißt, ständig Wasser führende Fahrrinnen sind bei mittlerer Tide 0,6 Meter tiefer, und Wattenhoch, die sonst 1 Meter bezogen auf den Seekartennullpunkt (SKN) aus dem Wasser ragen, ragen nur noch 0,4 Meter aus dem Wasser raus. Bei mittlerer Tide.
Das heißt für obige Berechnung, dass der berechnete Wasserstand 4 Stunden nach Niedrigwasser so aussieht:
2,25m + (-0,4m) = 1,85m
Für einen Wattenanfänger ist das wirklich schwer verständlich. Und aus meiner Sicht auch schwer zu erklären. Ich hoffe, ich habe keinen Fehler in die Erklärung / Ergänzung eingebaut.
Anmerkung: Tolle Seite
Gruß Volker